Sonntag, 19. Juni 2011

Gedichte politisch: Kurt Tucholsky - Arbeitslose



von Theobald Tiger

Herrn Ebermayer zur Beschlagnahme freundlich empfohlen

Stellung suchen Tag für Tag,
aber keine kriegen.
Wer kein Obdach hat,
der mag auf der Straße liegen
Sauf doch Wasser für den Durst!
Spuck aufs Brot - dann hast du Wurst!
Und der Wind pfeift durch die Hose -

Arbeitslose.
      Arbeitslose.

Schaffen wollen - und nur sehn,
wie Betriebe schließen.
Zähneknirschend müßig gehn ...
Bleib du nicht am Reichstag stehn -!
Geßler lässt was schießen.
Zahl den Fürsten Müßiggang:
Friere nachts auf deiner Bank.
Polizeiarzt Diagnose:

Arbeitslose.
     Arbeitslose.

Wart nur ab.
Es kommt die Zeit,
darfst dich wieder quälen.
Lass dir von Gerissenheit
nur nichts vorerzählen:
Klagen hilft nicht,
plagen hilft nicht,
winden nicht und schinden nicht.
Dies, Prolet, ist deine Pflicht:

Hau sie, dass die Lappen fliegen!
Hau sie bis zum Unterliegen!
Bleib dir treu.

Die Klasse hält
einig gegen eine Welt.
Auf dem Schiff der neuen Zeit,
auf dem Schiff der Zukunft seid
Ihr Soldaten! Ihr Matrosen!

Ihr - die grauen Arbeitslosen!

Kurt Tucholsky
1926
                                                    



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Gedicht: Arbeitslose, K. Tucholsky unter Pseudonym Theobald Tiger aus: Die Weltbühne, Jahrgang 22, Nr. 10, S. 382 - Verlag der Weltbühne, Berlin (9.3.1926)
Quelle


Musik: Arbeitslos - Deutsche Hard Rock Musik (auf Überschrift klicken)


Bild: Historische Originalbeschreibung: Berlin, Fröbelstraße, Speisesaal im Obdachlosenasyl
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Deutschland, "Bild 183-R 962 68"
Genehmigung

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